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VDI Nachrichten,
6. Juni 2003, Nr.: 23
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| Verfahren: Luftkühlung
nach EU-Maßstäben bringt Nahrungsmittelproduktion in Fahrt |
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Deutsche Kältetechnik setzt Fleischstandard
in Sibierien |
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VDI Nachrichten, Bielefeld, 6.6.2003 |
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Russlands Nahrungsmittelversorgung
soll auf West-Niveau. Da die Einfuhrzölle hoch sind, werden
Verarbeitungsmaschinen importiert und die Selbstversorgung
angekurbelt. Deutsche Firmen profitieren von der technologischen
Aufrüstung, die der Bevölkerung hilft - und Russlands Lebensmittelexporte
stärken könnte. |
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Food Firmen
aus den USA, Europa und Südamerika
freuten sich viele Jahre über Gewinne aus dem Export
von Tiefkühlfleisch oder Geflügel nach Russland.
Nun wurden dort die Importzölle drastisch erhöht,
um die landeseigene Nahrungsmittelerzeugung zu fördern. "Im
großen Stil werden jetzt moderne Zuchtbetriebe, Schlachtereien
und Verarbeitungsbetriebe benötigt", berichtet der Kälte-
und Klimatechnik-Ingenieur Rolf Harig aus Sennestadt bei
Bielefeld. |
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Zusammen mit
Partnern errichtet sein Unternehmen gegenwärtig eine Hähnchenschlachterei
in Wladiwostok, ganz am anderen Ende Russlands. In der
Anlage kann man pro Stunde 6 t Hähnchen schlachten,
verarbeiten und kühlen. Die Tiere müssen innerhalb
kürzester Zeit per Luftkühlung auf 4°C gekühlt
werden - ohne Qualitäts- und Gewichtsverlust. In diesem
Zustand werden sie weiterverarbeitet und zum Teil schockgefrostet.
Die Kälteaggregate aus Bielefeld-Sennestadt wurden jetzt
verschickt. |
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Harig konnte
bei dem Auftrag auf Erfahrungen im EU-Bereich zurückgreifen,
wo die Umstellung von Wasser- auf Luftkühlung bei der
Hähnchenschlachtung üblich
ist. "Brüssel hat die Weiterverarbeitung mit Eiswasser
verboten", sagt Rolf Harig. In Russland Osteuropa, aber auch
in den USA sei die Umstellung im Gange - auch weil ein verändertes
Verbraucherverhalten dazu zwinge. |
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Rolf Harig,
Chef der 1983 gegründeten HARIG GmbH, macht 'eisige Geschäfte'
mit der ganzen Welt; jetzt liefert er elektronisch gesteuerte
Kälte nach Sibirien. 40 Mitarbeiter erwirtschaften 10
Mio. € im Jahr; Exportanteil 70%. Foto:
H. Biere |
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"Konsumenten in entwickelten
Ländern
bevorzugen mehr und mehr frisches Geflügel von der Ladentheke,
während der gefrostete Anteil, das tiefgefrorene Hähnchen
oder auch die gefrostete Hähnchenbrust, tendenziell
zurückgeht", weiß Harig. Der Anteil der Frischware
in Westeuropa betrage heute schon ca. 50 %. Mehr Frischgeflügel
an der Theke verlangt inzwischen auch die russische Hausfrau
kalte, auf etwa 4°C abgekühlte
Ware. Rolf Harig: "In Ballungsräumen wie in der westsibirischen
Großstadt Tjumen, wo unsere Anlagen schon arbeiten,
lässt sich das bei kurzen Transportwegen von der Schlachterei
zum Supermarkt problemlos erledigen." Was aber bei längeren
Strecken ? |
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Das Frosten von Hähnchen auf eine Kerntemperatur
von -18°C
und eine vorherige Abkühlung im Eiswasser (Spin Chilling)
war das übliche Verfahren: Das Geflügel wurde nach
dem Schlachten und Ausnehmen in ein Eiswasserbad geworfen
und durch eine Förderschnecke langsam durch das Bad
geführt. Die Tiere nahmen bei diesem Eisbad noch bis
zu 5% an Flüssigkeit und Gewicht zu. "Aber Sie nahmen
fast immer auch Salmonellen-Keime mit auf",
weiß Harig, "die beim Braten oder Kochen erst nach
längerer Zeit inaktiviert wurden - auch deshalb verbot
die EU die Wasserkühlung." Nach dem Eiswasserbad kamen
die Hähnchen in den Frostraum, wo sie bei -32°C
bis -35°C schockgefrostet wurden. |
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Ein
Kaltluftstrom von oben kühlt
geschlachtetes Geflügel, das durch die zweistöckige Anlage
transportiert wird. In Wladiwostok werden so 4.500 Tiere por
Stunde auf 4°C gebracht. In den USA gibt es Anlagen für 20.000
Stück pro Stunde, entsprechend 40 t/h. Alles hängt von der
kühlleistung ab. Die Umluft wird durch Lamellenwärmetauscher
geführt. |
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Heutiges Verarbeiten
mit Kaltluftstrom sieht so aus: Die Hähnchen durchlaufen
an Transportbändern
aufgehängt die Schlacht- und Rupfzone. Danach kommen
sie in die Bratfertigabteilung, wo sie ausgenommen und die
Innereien ausgesondert werden. In einem ersten Bereich kühlt
man sie bei einer Lufttemperatur von 0°C und einer Verweilzeit
von 80 min bis 120 min auf eine Temperatur von rund +4°C
herunter. Dann kommt das Fleisch in einen klimatisierten
Raum von 12°C Lufttemperatur.
Hier zerlegen Mitarbeiter die Tiere in die jeweils geforderten
Portionen, Brust, Schenkel etc., um sie anschließend
zu verpacken. Der teil, der noch gefrostet werden soll, wird
auf Trays in Folie eingeschweißt. Im Fertigwaren-Kühlraum
bei 0°C werden die Hähnchenteile zwischengelagert und
zum Teil als Frischwaren (bei max. 4°C) mit Kühl-LKW |
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zu den Verbrauchermärkten
gebracht. Der übrige Teil der
Fertigware kommt in einen Gefrierraum in dem Hähnchenteile
und ganze Tiere bei - 32°C in 12 bis 15 h auf eine Kerntemperatur
von -18°C gebracht werden. Im nächsten Bereich bei -22°C
lagert diese Frostware - bis das Geflügel zu den Tiefkühltruhen
der Märkte gelangt. Mehrere "Kälteprojekte" für
Russland und die GUS hat Harig aus Sennestadt bereits abgewickelt,
z.B. eine Geflügelschlachterei
in Tjumen in Westsibirien, eine Molkerei in Tartastan oder
die Frostung von Kaviarfisches Stör am Kaspischen Meer.
Neueste Projekte betreffen den nordamerikanischen Markt.
Im US-Bundesstaat Pennsylvania wie auch im kanadischen Vancouver
verarbeiten Schlachtereien bis zu 40 t Hähnchen oder
20.000 Stück pro Stunde. |
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Aufbau Fernost: In
diesem Gemäuer in Wladiwostok wird eine Geflügelverarbeitung
mit Hightech aus Deutschland entstehen. Gekühltes Frischfleisch
und tiefgefrorene Teile nach westlichem Verarbeitungsstandard
sparen Russland Devisen. Fotos (2): Harig
HORST BIERE/ KÄM |
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